Heppenheimer Stadtkapelle im Höhenflug

Wilco Grootenboer und seine Musiker glänzen bei Frühjahrskonzert mit Komposition zu Tolkiens „Herr der Ringe“.

Presse Fruehlingskonzert EdH SE 02.04.2019

Wilco Grootenboer und die Stadtkapelle begeistern in „Erscheinung des Herrn“ mit anspruchsvollen Stücken. Foto: Sascha Lotz

HEPPENHEIM - Nach dem Konzert ist vor dem Konzert für die Stadtkapelle: Kaum hatten die über 30 Mitwirkenden nach dem Benefizkonzert zum 50-Jahr-Jubiläum der „Lebenshilfe“ im November in der Pfarrkirche Sankt Peter die Instrumente wieder verstaut, war es an die Vorbereitung des nächsten Auftritts gegangen. Denn Dirigent Wilco Grootenboer, der seit über zehn Jahren die Formation dirigiert, weiß, wie er seine Musiker zu Höchstleistungen motiviert.

Applaus ist des Künstlers Lohn, und nur Auge in Auge mit dem Publikum zahlt sich die harte Probenarbeit jeden Dienstag im „Haus der Vereine“ aus.

Wobei das Orchester mittlerweile über ein attraktives Repertoire verfügt, das so gut wie alle Genres bedient, von den traditionellen Märschen und Polkas über Pop, Musical- und Filmmelodien bis hin zur Klassik. Unvergessen ist für alle, die damals dabei waren, die hinreißende, von Grootenboer eigens für seine Instrumentalsätze arrangierte Version der „West Side Story“ im Amtshof, auch George Gershwins „An American in Paris“ oder Edvard Griegs „Peer-Gynt-Suite“ waren Herausforderungen, die die engagierten Hobbymusiker mit Bestnoten gemeistert hatten.

Die Latte wieder ein Stück höher gelegt hat die Stadtkapelle beim Frühjahrskonzert am Sonntag in der gut gefüllten Kirche „Erscheinung des Herrn“. Mit Johan de Meijs 1988 uraufgeführter Sinfonie Nr. 1 für Blasorchester „The Lord of the Rings“ nach Motiven aus Tolkiens Roman haben sich die Musiker wiederum an eine in Rhythmik und Tempo sehr anspruchsvolle Komposition gewagt, die mit ihrem dramatischen Duktus zwischen Düsternis und Licht auch bei Timing und Tonstärke hohe Präzision verlangt. Mittelerde mit Lothlorien, dem Elfenwald, den finsteren Minen von Moria und dem Finale bei den lebensfrohen Hobbits wurde lebendig, und zu Recht ließ der Dirigent nach dem hymnischen Ausklang des Stückes die Mitwirkenden aufstehen, um den Beifall gebührend entgegenzunehmen.

Der „Herr der Ringe“ war nicht die einzige Neueinstudierung in einem abwechslungsreichen Programm: Auch „Prochytas“ von Lorenzo Pusceddu, ein ebenfalls zeitgenössisches Werk für Blasorchester, punktete mit konzertantem, melodiösem Gepräge und filigranen Einsprengseln – man hört sogar das Meer rauschen an den Gestaden der beschaulichen Fischerinsel im Golf von Neapel . Nach Fernost ging die musikalische Reise mit dem exotischen, sehr eleganten „March Bou-Shu“ von Satoshi Yagisawa und „Nessun Dorma“ aus Giacomo Puccinis Oper „Turandot“. Schweden war repräsentiert mit „Gabriellas Song“ von Stefan Nilsson aus dem Film „Wie im Himmel“, ein dankbares Stück, das Gesangssolistin Sabrina Keller in der Originalsprache mit ihrer eindrucksvollen Stimme prägte. Sie hatte zuvor schon „Colors of the Wind“, das Lied der Pocahontas von Alan Menken, interpretiert und im Klarinetten-Ensemble mit Laura Gölz, Martin Eichhorn und Peter Putz Mozarts „Kleine Nachtmusik“ aufgeführt – sehr zur Freude des Publikums, das den kammermusikalischen Teil im Programm besonders schätzt. Zumal sich mit Jutta Schuster, Kilian Schwarz, Felician und Peter Putz nun auch ein Holzbläser-Ensemble zusammengefunden hat, das neben Reminiszenzen an die „West Side Story“ ebenfalls Mozart zu Ehren kommen ließ mit dem „Türkischen Marsch“.

Die Zugabe nach dem Finale, „Concerto d’Amore“ von Jacob de Haan, war kein Thema – und die nächsten Termine stehen schon vor der Tür.

Nur zum Spass

Eine Komposition steuerte auch Dirigent Wilco Grootenboer bei: „In der Sommerpause war die Sehnsucht nach seinem Heppenheimer Orchester wohl groß und die Dienstagabende unausgefüllt“, mutmaßte Melanie Schmitt, die charmant und kenntnisreich moderierte. „Just for Fun“ – nur zum Spaß – erwiese sich als eine hübsch verspielte Tändelei nach Noten, ein Capriccio, das mit einem Galopp furios die Coda ansteuerte. (jn)

© Starkenburger Echo, Sigrid Jahn, 02.04.2019

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