Zwei, die es können

Die Stadtkapelle Heppenheim und das Blasmusikorchester NHJ brillieren im Amtshof.

Presse NorwegischeImpressionen SE 17.09

Anne Marit Harbeck spielt das Trompetensolo aus Astor Piazzollas „Libertango“. Foto: Stadtkapelle

HEPPENHEIM - Da hat alles gestimmt: Kaum war der Eintritt freigegeben worden, strömten über 200 Besucher ins Zuschauerrund des Kurmainzer Amtshofs, setzten sich an die gedeckten Tische und ließen sich von Adi Dörsams Team bewirten. Wer später kam, nahm mit den zusätzlich aufgestellten Bänken vorlieb, und immer wieder stellten sich Zaungäste ein am Ort des Geschehens. Denn das Programm, das am Samstag beim Open-Air-Konzert des Heimat- und Verkehrsvereins geboten war, war vom Feinsten.

Zwei Ensembles gaben sich die Ehre, zum einen die Stadtkapelle, die in Heppenheim immer für volles Haus gut ist, zum anderen ein professionelles Blasmusikorchester aus Norwegen, das zum ersten Mal an der Bergstraße gastierte: „Nittedal og Hakadal Janitsjar“ (NHJ), eine 1987 gegründete Formation, mit der die zuvor selbstständigen Orchester aus Nittedal und Hakadal einen gemeinsamen Weg beschritten hatten: mit großem Erfolg. NHJ gehört mittlerweile zu den besten Musikkorps dort, erhielt im Jahr 2000 den Kulturpreis der Kommune Nittedal und hat in der Heimat, ebenso wie die Stadtkapelle in Heppenheim, eine treue Anhängerschaft.

Eine der 25 Musikerinnen und Musiker, die am Samstag das Publikum zu großem Beifall hingerissen hatten, ist die Saxofonistin und NHJ-Leiterin Marianne Szallies. Sie hat von März 2008 bis September 2010 bei Freudenberg in Weinheim gearbeitet, in Heppenheim gewohnt und in der Stadtkapelle mitgespielt. Auch nach ihrer Rückkehr ist der Kontakt nie abgerissen, und als die „Janitsjar“ eine Konzertreise nach Mannheim plante, fand Szallies’ Anregung, die Gelegenheit zu einem gemeinsamen Auftritt an ihrer früheren Wirkungsstätte zu nutzen, sofort Anklang bei den Heppenheimern. Zumal beide Formationen nicht nur die traditionellen Märsche und Polkas im Repertoire haben, sondern auch gerne weitere musikalische Stilrichtungen ausloten.

Mit einem Ausflug in die nordische Folklore hatten die Norweger und ihr Dirigent Hans Andreas Kjølberg auf ihren Part eingestimmt: „Hane“, der Hahn, arrangiert von Torsten Ogord-Nilsen, zeigte gleich das meisterliche Spiel der Gastmusiker im Spannungsfeld zwischen Forte und Pianissimo, elegischen Passagen und triumphalem, dennoch leichtgängigem Furioso. Auch Astor Piazzollas „Libertango“ mit einem tollen Trompetensolo von Anne Marit Harbeck, die „Norwegian Rhapsody No. 1“ von Johan Svendsen, die „Second Suite in F for Military Band“ von Gustav Holst, der „Norwegische Tanz No. 2“ von Edvard Grieg sowie der abschließende „Kronprins Olavs Honnørmarsch“ von Oscar Borg begeisterten das Publikum und die Kollegen der Stadtkapelle gleichermaßen. Die Lokalmatadore hatten für ihren Auftritt mit Dirigent Wilco Grootenboer eine Extraprobenschicht absolviert und präsentierten sich mit ihren Paradestücken, unter anderem der „Overture to an New Age“ von Jan de Haan sowie „Flight“, einem Höhenflug mit grandiosen lautmalerischen Sequenzen, in Bestform.

Standing Ovations der norwegischen Gäste gab es zudem noch vor dem Finale mit einer Reminiszenz an die umjubelte Aufführung der „West Side Story“ im Vorjahr. „Et lys imot mørketida“ – ein Licht gegen die dunklen Zeiten – hatte die Stadtkapelle neu einstudiert, Sabrina Keller interpretierte den Text auf Norwegisch: eine schöne Geste der Gastgeber, die sich damit für das gemeinsame Konzerterlebnis erkenntlich zeigten. „Es war uns eine große Freude, mit euch zu spielen. Danke für eure wunderbare Musik“, sagte Melanie Schmitt, die für beide Formationen die Ansage übernommen hatte. Auch Dr. Helmut Engelhard, der Vorsitzende des Verkehrs- und Heimatvereins, freute sich über die gelungene Veranstaltung und setzte die Stadtkapelle schon mal auf die Pole Position als Aushängeschild der Stadt. In den Niederlanden haben sich die Musiker als Repräsentanten Heppenheims schon bekannt gemacht, vielleicht gibt es in absehbarer Zeit auch einen Gegenbesuch im hohen Norden.

TERMIN:  Der nächste Termin der Stadtkapelle steht schon fest: Am Sonntag, 18. November, treten die Musiker ab 17 Uhr beim Benefizkonzert zum 50-Jahr-Jubiläum der Lebenshilfe in der Pfarrkirche Sankt Peter auf. Mit dabei sind auch die Sänger der „Harmonie“ Heppenheim. (jn)

© Echo Online, Sigrid Jahn, 17.09.2018

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