Presse 23.05.2017 Echo Online

Glänzender Auftritt: Die Stadtkapelle Heppenheim spielte im Garten des Vinzenz-Klosters. Foto: Dagmar Jährling

HEPPENHEIM - Das gibt es auch nicht alle Tage: 90 Jahre Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul, ein halbes Jahrhundert Stadtkapelle, eine Dekade als Dirigent für Wilco Grootenboer und die fünfte gemeinsame Veranstaltung im Garten des aufwendig restaurierten Klosters, die wieder Hunderte Zuhörer auf die Beine brachte. Jubiläen im Viererpack: „Wenn das kein Grund zum Feiern ist“, hatte Melanie Schmitt, Flötistin der Stadtkapelle und charmante Moderatorin der Formation, Stammpublikum und Neulinge beim Serenadenkonzert begrüßt und den Vinzentinerinnen als Dank für die Gastfreundschaft ein Fotobuch mit den „schönsten Momenten“ überreicht.

„Wir freuen uns, dass dieses Konzert mittlerweile gute Tradition geworden ist“, so Generaloberin Schwester Brigitta: „Es ist ein wunderschönes Geben und Nehmen“, wobei der im frischen Maigrün strahlende Garten als Konzertkulisse kaum zu übertreffen ist. Dass zudem die mächtigen Mauern des Metzendorf-Gebäudes der Akustik regelrecht Flügel verleihen, war schon bei den ersten Tönen der Stadtkapelle zu vernehmen, die mit Jan van der Roosts festlichem Konzertmarsch „Arsenal“ zum Open-Air-Start gleich Maßstäbe setzte.

Ein „Best of“ hatten die 35 Musiker zum konzertanten Auftakt des Jubiläumsjahres angekündigt und etliche Lieblingsstücke der Fangemeinde frisch aufpoliert, von der Polka „Böhmischer Traum“ über Filmmusiken von Ennio Morricone und „The Mask of Zorro“ bis zu Evergreens der Popszene. Präzise Einsätze, schön herausgespielte

Pop-Perlen und Besuch bei Gershwin

Themen und fließende Übergänge sind dabei nur einige der Tugenden, mit denen die 35 Musiker punkten. Erstaunlich ist zudem, wie leichtgängig, ja nahezu schwerelos die sinfonische Blasmusik daherkommen kann, und das in allen Genres, allen Tempi und mit leisen Tönen, die locker bis in die hinteren Ränge tragen.

„You raise me up“ von „Secret Garden“, „It’s not unusual“ von Tom Jones, „Hard Rock Cafe“ von Carole King in Arrangements, die allen Instrumenten gerecht wurden, machten Spaß, wobei sich das reibungslose, hoch konzentrierte Zusammenspiel der Musiker vor allem in den Medleys offenbarte. Pop-Perlen der sechziger Jahre mit „Downtown“ oder „Puppet on a string“ forderten sowohl die grazilen Flöten- und Klarinettenklänge als auch die robusteren Tieftöner unter den Instrumenten. „The Best of Billy Joel“, eine Hommage an den „Piano Man“, der im September 2016 mit 67 Jahren noch die Commerzbank-Arena in Frankfurt aufgemischt hatte, gefiel in der Version der Stadtkapelle durch rhythmischen Elan und mitreißende Instrumentierung; die Hits von Simon und Garfunkel – von „Bridge over troubled water“ über „Mrs. Robinson“ bis zum eingängigen „Sound of Silence“ – maßen sich am Medley „Visit to Gershwin“, das neben „The Man I love“ und „Lady be good“ ein dahinschmelzendes „Summertime“ zu bieten hatte.

Ein wohlgefülltes Spendenkörbchen

Bravo-Rufe, Jubel und viel Beifall im Stehen gab es vom Publikum, das auch die Spendenkörbchen zugunsten der Musiker und der Ordensschwestern gut gefüllt hatte und sich somit für den freien Eintritt angemessen revanchierte. Und die Zugabe „Ein halbes Jahrhundert“, eine hymnische Polka von Very Rickenbacher, dürfte nicht zum letzten Mal im 50. Jahr der Stadtkapelle zum Repertoire gehören. Denn das nächste Highlight, das Jubiläumskonzert am Samstag, 17. Juni, ab 19 Uhr im Amtshof, steht schon so gut wie vor der Tür. Haupt-Act dabei: Melodien aus Leonard Bernsteins Musical „West Side Story“, mit vokaler Unterstützung von zwei Gesangssolisten. „Es klingt toll“, sagte Melanie Schmitt, die zuvor in einer Laudatio zum Dirigentenjubiläum Wilco Grootenboer bescheinigt hatte, dass er seine Musiker bis „zum „Maximum“ zu motivieren versteht.

AUFTRITTE

Der Vorverkauf für das Jubiläumskonzert hat am Samstag schon begonnen; weitere Auftritte wird die Stadtkapelle absolvieren beim Weinmarkt, an Fronleichnam beim Gottesdienst und der Prozession, bei der Stadtkerwe sowie beim Wein- und Sektfest der Bergsträßer Winzer eG.

Nach der Konzert-Matinee auf der Starkenburg am Sonntag, 10. September, ab 11 Uhr geht es für die Musiker zum Abschluss des Jubiläumsjahres an die Vorbereitung des Konzerts am Sonntag, 5. November, ab 17 Uhr in der Heppenheimer Pfarrkirche Sankt Peter. (jn)

© Von Sigrid Jahn, Echo-Online, 23.05.2017